{"id":929,"date":"2015-06-10T16:39:43","date_gmt":"2015-06-10T16:39:43","guid":{"rendered":"http:\/\/stadtteiloper-bremen.de\/?page_id=929"},"modified":"2015-06-19T09:55:26","modified_gmt":"2015-06-19T09:55:26","slug":"zweites-interview","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/stadtteiloper-bremen.de\/?page_id=929","title":{"rendered":"Interview mit Stephan Schrader, Fortsetzung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Du spielst bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, warum gerade dort? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Erst war ich stellvertretender Solocellist am Theater in Hannover. Da hatte ich wieder gek\u00fcndigt, um mich freiberuflich durchzuschlagen. Sp\u00e4ter habe ich dann hier vorgespielt und es hat geklappt! <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\">Wie attraktiv die Stelle ist, wurde mir erst sp\u00e4ter bewusst: Wir sind n\u00e4mlich nicht angestellt und ich habe Raum f\u00fcr meine solistischen, kammermusikalischen und p\u00e4dagogischen Ambitionen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Viele reden davon, dass eine bestimmte Stimmung im Orchester herrscht? Gibt es Zeiten wo diese schlechter wird? Wann sind die? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bei Kraftverschlei\u00df! F\u00fcr mein Gef\u00fchl wird es schwieriger, wenn die erste F\u00fchrungsposition schwach besetzt ist: wenn ein Dirigent nicht souver\u00e4n ist oder nicht wirklich zum Orchester passt, beziehungsweise wir zu ihm. Oder wenn in einem Projekt ohne Dirigent der leitende Solist oder Konzertmeister die Kunst des F\u00fchrens auf Augenh\u00f6he nicht beherrscht: dann sind wir in der Gefahr, dass das Rangeln anf\u00e4ngt, weil eben viele verschiedene, starke Pers\u00f6nlichkeiten im Orchester sind mit hohem Anspruch an ausgef\u00fcllte Arbeitszeit. Allerdings ist im Lauf der Jahre viel Gelassenheit dazu gekommen, die dann enorm hilft.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Was ich schnell gelernt habe ist, dass alle Musiker aus der Kammerphilharmonie ihr Orchester lieben und immer danach streben besser und besser zu werden! <\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Wenn du \u00fcbst, wie \u00fcbst du? Hast du ein bestimmtes System oder Technik? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr ganz so konsequent \u00fcbe wie in Studienzeiten. Aber Tonleitern und Doppelgriffe bleiben unersetzbar. Ansonsten \u00fcbe ich die schwierigen Passagen der St\u00fccke, die in kommenden Konzerten anstehen, egal welche Art Konzerte das sind. Vor besonders herausfordernden Konzerten, wie vor 2 Jahren als ich einige Konzerte mit allen sechs Bach-Suiten an einem Abend hatte, mache ich mir einen ziemlich genauen \u00dcbeplan \u00fcber Wochen oder Monate. Wenn ich mit meiner Loopmaschine ein neues St\u00fcck entwickele, fliegen die Stunden wie nichts. In freien Minuten vor einem Orchester-Auftritt tut es mir gut, an einem Satz aus den Bach-Suiten zu \u00fcben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Du bist der Ansprechpartner der Schule im Orchester, was ist deine Aufgabe? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich sollte bei der Kommunikation zwischen B\u00fcro und Musiker, und Kammerphilharmonie und Schule helfen. Dazu geh\u00f6rt, dass ich auf dem Laufenden bin, \u00fcber den Stand kommender Projekte wie die Stadtteil-Oper und die <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Melodie des Lebens<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"> bescheid wei\u00df. Wenn da Entscheidungen getroffen werden, steuere ich stellvertretend die Sicht des Orchesters bei. Andersrum k\u00f6nnen Kollegen von mir erwarten, dass ich ihnen Auskunft \u00fcber Planungen und so weiter gebe. Ich helfe Besuche und Gegenbesuche zu koordinieren: Sch\u00fcler kommen in Proben, Musiker gehen in Klassen. Und ich versuche, im Kontakt mit den Lehrern zu bleiben, so dass deren Kontakt zum Orchester nicht nur \u00fcber das B\u00fcro laufen muss.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Du spielst nicht nur f\u00fcr das Orchester, sondern bist auch oft an anderen Projekten beteiligt, z.B. bei Solokonzerten, mit dem Cello-Loop und bei Trios. Ist das lustiger oder spannender als im Orchester zu spielen? Warum\/warum nicht? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr mich gibt es zwei Aspekte. Zum Einen ist es Anteil an etwas Gro\u00dfem, Sch\u00f6nem zu haben. Es gibt kaum Sch\u00f6neres als eine gut gespielte Brahms-Sinfonie zum Beispiel. Es ist oft begl\u00fcckend, da dabei zu sein und kann ein ganz irres Gef\u00fchl sein, mit so vielen Menschen zusammen zu schwingen. Zum Anderen habe ich wie viele Musiker das Bed\u00fcrfnis mit \u201emeiner Stimme\u201c den Raum zu f\u00fcllen oder anders gesagt: ma\u00dfgeblich auf die Gestaltung der Musik Einfluss zu haben. Dieses Bed\u00fcrfnis wird manchmal viel mehr befriedigt bei Kammermusik- oder Solo-Auftritten \u2013 selbst wenn das Niveau (des St\u00fccks oder der Interpretation) vielleicht nicht besser ist. Au\u00dferdem ist der individuelle Kontakt zu den H\u00f6rern intimer, pers\u00f6nlicher. Die Herausforderung, wenn man allein auf der B\u00fchne ist, kann aber auch sehr stressig werden! Ein weiterer Vorteil der Orchesterprojekte: h\u00e4ufig sind phantastische Solisten oder Dirigenten zu Gast; das ist ungeheuer anregend!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Hast du einen Lieblings Komponist-\/in? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ja: fast immer der, von dem ich gerade ein St\u00fcck spiele!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Was war bis jetzt dein aufregendste und bestes Konzert mit der Kammerphilharmonie? <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Hm \u2013 mir f\u00e4llt nicht ein bestimmtes Konzert ein. Aber immer wenn es nicht \u00fcberprobt ist und Spontanes passiert (ohne dass es aufgesetzt ist!). Oder \u2013 jetzt f\u00e4llt mir doch ein bestimmter Moment ein: letzten Sommer in Tanglewood, wo der Konzertsaal sich hinter dem Publikum zu Park und Natur \u00f6ffnet. Die herrlich frische Nachtluft str\u00f6mte herein, w\u00e4hrend wir das erste Klavierkonzert und die zweite Sinfonie von Brahms spielten und ganz da hinten die Silhouette der H\u00fcgel und B\u00e4ume gegen den klaren Nachthimmel sehen konnten!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Wie findest du das Thema f\u00fcr die Stadtteil-Oper? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00c4u\u00dferst spannend! Avicenna war eine faszinierende Pers\u00f6nlichkeit, \u00fcber die man im Allgemeinen viel zu wenig wei\u00df. Gerade jetzt ist die Zeit, in der man sich erinnern sollte, wie sehr Geistes- und Kulturgeschichte von Orient und Okzident sich immer wieder gegenseitig befruchtet haben!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Was wirst du bei dieser Stadtteil-Oper machen? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Orchester spiele ich Cello, darf den continuo-Part \u00fcbernehmen, was bei H\u00e4ndels Musik eine Aufgabe ist, die ich besonders liebe. Au\u00dferdem werde ich verschiedenen Instrumentenklassen helfen beim Ein\u00fcben ihrer St\u00fccke. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #c00000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Was gef\u00e4llt dir besonders bei den Stadtteil-Opern? <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Arbeit an diesen Themen und das Mitwirken an den Stadtteilopern verschafft und st\u00e4rkt das Identit\u00e4tsgef\u00fchl. Auch f\u00fcr uns, aber besonders f\u00fcr die Sch\u00fcler die ja meist mehrere Identit\u00e4ten gleichzeitig haben. Zum Beispiel als Bremer, als Muslime, als T\u00fcrkischst\u00e4mmige, als Jugendliche, als Fl\u00f6tensch\u00fcler. Auch dass es ein Projekt ist, an dem so viele Menschen mitwirken, die nicht zur Schule oder dem Orchester geh\u00f6ren. Diese Art von Kulturarbeit f\u00fchlt sich richtig sinnvoll an!<\/span><\/span><\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte\u00a0Emma Rahe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du spielst bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, warum gerade dort? Erst war ich stellvertretender Solocellist am Theater in Hannover. Da hatte ich wieder gek\u00fcndigt, um mich freiberuflich durchzuschlagen. Sp\u00e4ter habe ich dann hier vorgespielt und es hat geklappt! 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